Ein eigenes kleines UMTS-Netz in Wohnung oder Büro - und das über den hauseigenen Internet-Anschluss: UMTS-Femtozellen heisst die neue Technologie, die das möglich machen soll. Die Mobilsparte der IT-Branche hofft auf einen neuen Gewinnbringer. Eine Studie der ABI Research sagt voraus, dass es im Jahr 2011 rund 102 Millionen Kunden weltweit an 32 Millionen Zugangspunkten Femtozellen nutzen werden.

Die Zeiten in denen Handybesitzer durch ihre Wohnung wanderten, auf der Suche nach dem einen Plätzchen, an dem ein Signal empfangen werden kann - sie sollen dank Femto der Vergangenheit angehören. Eine taschenbuchgroße Box mit einer UMTS-Funkzelle wird künftig als kleine Sende- und Empfangsstation für UMTS (Universal Mobile Telecommunications System, der Mobilfunkstandard der auch 3G genannten dritten Mobilfunk-Generation) direkt per Kabel über DSL- beziehungsweise Breitband ans Internet angeschlossen. Die Verbindung zum Handybetreiber läuft nun übers World Wide Web und nicht mehr über die quer im Land verstreuten Sendemasten. Die Femtozellen ersetzen also im Nahbereich das UMTS-Netz des Mobilfunkbetreibers.

Die künftigen Lieferanten preisen schon jetzt den Segen der neuen Technologie. "Jeder, mit dem ich darüber rede, sagt, ich will jetzt eine" erklärt Stephen Mallinson, Vorstand des britischen Femtozellen-Herstellers ip.acess. Neben seinem Unternehmen haben bislang die Firmen Alcatel-Lucent, Ericsson, Ubiquisys und Nokia Siemens Networks Femto-Produkte für den Privatkunden angekündigt. Lokale Mobilfunknetze gab es bisher nur für Geschäftskunden - dort heißen sie Pico-Zellen. Pico heißt ein Billionstel und Femto ein Billiardstel. Vermutlich wollen die PR-Abteilungen, die sich die Bezeichnungen ausdachten, damit klarmachen, dass es sich um sehr kleine Funkstationen handelt.

Femtozellen sollen einen guten Handy-Empfang in den eigenen vier Wänden garantieren, das ist der augenfälligste Vorteil dieser neuen Technologie. Doch die Mobilfunk-Unternehmen wollen sie vor allen Dingen nutzen, um sich neue Geschäftsfelder im drahtlosen UMTS-Geschäft zu sichern. Die Femtozellen bringen die Technologie der dritten Mobilfunkgeneration direkt zum Kunden - und die ermöglicht Download-Quoten von bis zu sieben Megabits pro Sekunde. Das liegt im Bereich von Breitbandanschlüssen.

Und auf die Kunden, die derzeit noch Breitbandanschlüsse nutzen, haben die einschlägigen Unternehmen ein Auge geworfen: wird der Laptop des Kunden entsprechend aufgerüstet, kann er künftig die Femtozelle - und damit natürlich auch das Netz des Mobilfunkbetreibers - ähnlich nutzen, wie heute den Breitbandanschluss. Mit seinem Laptop ist er darüber hinaus mobil und kann sich an jedem Ort, an dem eine Femtozelle vorhanden ist, einloggen. Der Vorteil für den Kunden: Er wird deutlich mobiler.

Die Mobilfunkunternehmen versprechen sich von den neuen Zellen ein gutes Geschäft. Sie sichern preiswerte Internet-Dienste fürs Telefonieren und den Datenempfang auch zuhause mit dem Handy; sie können neue Kunden bringen, die beispielsweise aus den Festnetzen oder aus der wachsenden Internet-Telefonie (VoIP) zuwandern. Den Unternehmen, die Milliarden für die UMTS-Lizenzen ausgegeben haben um sich das Geschäft mit dem Mobilfunk der dritten Generation zu sichern, sind neue Kunden natürlich willkommen. "Femtozellen könnten uns helfen, neuartige Dienste zu entwickeln, welche die Nutzung des Mobilfunks der dritten Generation weiter vorantreibt" ließ Vodafone in einer Erklärung verlauten. Willkommen dürfte den UMTS-Betreibern auch ein weiterer Effekt sein: Femtozellen können dafür sorgen, dass die hohen Entwicklungskosten der UMTS-Netze deutlich gesenkt werden. "Der Kunde bezahlt den Datenfluss" meint Stephen Mallinson.

Unabhängige Analysten drücken das etwas direkter aus: Wer sich eine Femtozelle zulegt, subventioniere praktisch das Wachstum des Mobilfunknetzes der dritten Generation - und das in Flächen, wo es gebraucht wird, aber möglicherweise nicht ausreichend vorhanden ist. Das wird man dem Kunden womöglich erklären müssen, meint Mike Roberts, Analyst der Informa Media and Telecoms. Ein Ausweg, so Roberts, seien Sonderangebote für den Femtozellen-Nutzer: "Es könnte sein, dass die Gespräche auf dem Handy kostenlos sind, oder die Höhe von Festnetzgesprächen haben." Roberts ist sich sicher, dass die Mobilfunkbetreiber den Femto-Kunden etwas anbieten müssen: "Die werden sagen: OK, das Ding nutzt meinen Breitbandanschluss. Und was kriege ich dafür? Sie werden da etwas mit kostenlosen Angeboten machen müssen."